Solarpaket I: Welche Regeln für Balkonkraftwerke geändert wurden
800 VA Wechselrichter, bis 2.000 Wp Module und vereinfachte Anmeldung: Was das Solarpaket I regelt – und was Mietrecht, Steuern und Technik separat bestimmen.
Das Solarpaket I hat im Mai 2024 die Regeln für Steckersolargeräte im EEG vereinfacht. Im gesetzlichen Standardfall geht es um bis zu 2.000 Wp Modulleistung und 800 VA Wechselrichterleistung, eine vereinfachte Registrierung und den Umgang mit dem Zählerwechsel. Nicht jede gleichzeitig diskutierte Erleichterung stammt aus demselben Gesetz.
Korrektur vom 9. September 2026: Die vorherige Fassung verwechselte Modul- und Wechselrichterleistung, nannte widersprüchliche Zeitpunkte und stellte die Zählerduldung zu weitgehend dar. Diese Fassung trennt EEG, Mietrecht, Steuern und technische Anforderungen.
Modul- und Wechselrichterleistung sind nicht dasselbe
§ 8 Absatz 5a EEG nennt Steckersolargeräte mit zusammen höchstens 2 Kilowatt installierter Modulleistung und 800 Voltampere Wechselrichterleistung. Sie werden hinter der Entnahmestelle eines Letztverbrauchers betrieben und der unentgeltlichen Abnahme zugeordnet.
- Wp DC: Nennleistung der Solarmodule unter Prüfbedingungen. Zwei Module mit jeweils 450 Wp ergeben 900 Wp.
- VA AC: Scheinleistung des Wechselrichters. Dieser Wert ist getrennt der Gerätedokumentation zu entnehmen.
- kWh: Energie über einen Zeitraum, etwa die Jahresproduktion. Sie ist weder die Modul- noch die Wechselrichterleistung.
Die Grenzen gelten für die gemeinsam betriebenen Geräte, nicht für jede Steckdose einzeln. Die gesetzliche Grenze sagt nicht, dass jede beliebige Kombination bis 2.000 Wp technisch als einsteckfertiges Gerät geeignet ist. Produkt- und Anschlussanforderungen sind zusätzlich zu beachten.
Welche Anmeldung bleibt notwendig?
Die Registrierung im Marktstammdatenregister bleibt Pflicht. Für Geräte, die sämtliche Voraussetzungen des § 8 Absatz 5a EEG erfüllen, können zusätzliche Meldungen an den Netzbetreiber nicht verlangt werden.
Das ist präziser als „keiner muss mehr etwas anmelden“. Bei einem Speicher, einer Anlage oberhalb der Grenzen oder einem anderen Betriebs-/Vergütungsmodell sind zusätzliche Fragen zu klären. Der Anmelde-Ratgeber erklärt den Standardfall; die Checkliste hilft beim Vorbereiten der Daten.
Was bedeutet die Übergangsregel für den Zähler?
Ein geeigneter Zähler bleibt erforderlich. Im gesetzlichen Steckersolar-Standardfall darf ein alter rückwärtslaufender Zähler übergangsweise bis zum Austausch weiterlaufen; die Inbetriebnahme muss nicht erst auf den Wechsel warten.
Die frühere pauschale Aussage „Zweirichtungszähler ist keine Pflicht mehr“ war deshalb missverständlich. Zuständig für die erforderliche Messung ist der Messstellenbetreiber. Änderungen an Verteilung oder Zählerschrank gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.
Mietrecht und Nullsteuersatz sind separate Regeln
| Thema | Rechtliche Einordnung | Praktische Folge |
|---|---|---|
| EEG-Steckersolar-Regeln | Solarpaket I, Mai 2024 | Vereinfachung für den definierten Standardfall |
| Recht des Mieters auf Erlaubnis | § 554 BGB, Steckersolar-Privilegierung seit Oktober 2024 | Zustimmung zur konkreten baulichen Veränderung trotzdem klären |
| Wohnungseigentümergemeinschaft | § 20 WEG | Beschluss und Durchführung am Gemeinschaftseigentum gesondert betrachten |
| Umsatzsteuer-Nullsteuersatz | § 12 Absatz 3 UStG, seit 2023 | Voraussetzungen prüfen; keine neue allgemeine Solarpaket-Förderung |
Ein Anspruch auf Zustimmung bedeutet nicht, dass du ohne Zustimmung an Fassade oder Geländer montieren darfst. Lies dazu den Mieter-Ratgeber.
Darf ich ein älteres Gerät einfach auf 800 erhöhen?
Nicht allein aufgrund der Gesetzesänderung. Ob ein vorhandener Wechselrichter umgestellt werden darf, hängt von Herstellerfreigabe, Geräteeigenschaften, Zertifizierung und der gesamten Konfiguration ab. Manipuliere keine Schutzfunktionen und aktualisiere erforderliche Registerangaben bei Änderungen.
Was heißt das für deine Kaufentscheidung?
Prüfe erst Montageort, sichere Befestigung, Zustimmung und Anschluss. Nutze dann den Ertragsrechner als Modellrechnung, nicht als Ertragsgarantie. Größere DC-Modulleistung kann mehr Ertrag bringen, aber Wechselrichterbegrenzung, Verschattung und tatsächlicher Eigenverbrauch beeinflussen den Nutzen.
Speicher sind kein bloßer Zusatz zur Anmeldung: Ihre Registrierung und technische Einbindung verdienen eine eigene Prüfung. Angekündigte Reformen sind von bereits geltenden Regeln zu unterscheiden.
Fragen und Antworten im Überblick
Sind nur 800 Wp Modulleistung erlaubt?
Nein. § 8 Absatz 5a EEG unterscheidet bis zu 2.000 Wp Modulleistung und insgesamt bis zu 800 VA Wechselrichterleistung für den dort geregelten Standardfall. Technische Anforderungen gelten zusätzlich.
Darf der alte Zähler dauerhaft rückwärts laufen?
Nein. Die Duldung betrifft den Übergang bis zum erforderlichen Austausch unter den gesetzlichen Voraussetzungen. Sie ist keine dauerhafte Ausnahme von geeigneter Messung.
Quellen & Einordnung
Quellenstand:
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